St. Marienkirche in Waase

Die St. Marienkirche in Waase ist die evangelische Pfarrkirche der Kirchengemeinde Gingst auf der Insel Ummanz. Diese liegt etwa vier Kilometer südwestlich von Gingst und etwa zwanzig Kilometer westlich von Bergen auf Rügen. Die Insel ist seit 1901 über eine 250 Meter lange Brücke bei Waase erreichbar. Sie ist die viertgrößte Insel in Mecklenburg-Vorpommern. St. Marien ist die einzige Kirche auf der kleinen Insel. Die 1291 durch Zisterzienser Mönche geschaffene Kapelle erhielt 1440 ihre heutige Gestalt als Backsteinkirche.

Sie wurde erstmals im Jahr 1322 als Ecclesia Omanz (christliche Gemeinde Ummanz) urkundlich erwähnt und als selbständige Pfarrstelle betrieben. Im Jahr 1341 wurde die Kirche dem Heilgeisthospital zu Stralsund unterstellt. Im 15. Jahrhundert erfolgten einige Umbauten. So stammen die Ostwand des Kirchenschiffes, die Sakristei und der kreuzrippengewölbte Chor aus der Mitte des Jahrhunderts und die Westwand des Kirchenschiffes entstand um 1500. Ein kostbares Ausstattungsstück ist das Antwerpener Retabel, ein spätgotischer Schnitzaltar aus Eichenholz aus dem Jahr 1520. Dieser wurde vermutlich für eine englische Kirche erstellt, aber dann von Stralsunder Kaufleuten als Laienaltar für die Kirche St. Nikolai erworben und 1708 an die evangelische Kirche in Waase für fünfzig Taler verkauft. Die bemalten Klappflügel (Öl auf Holz)  des Altars zeigen Szenen aus der Passionsgeschichte sowie aus dem Leben des Heiligen Thomas Becket (1118-1170), Lordkanzlers des englischen Königs Heinrich II. Auf den Flügeln des Altars sind insgesamt zwölf Tafelbilder zu sehen, sechs in aufgeklapptem Zustand, sechs in zugeklapptem Zustand. Gänzlich ausgeklappt, füllt er fast vollständig die Ostwand des Chorraumes aus. Sie verschlossen den Schrein während der Werktage und in der Fastenzeit. Der Altar ist eines der bedeutendsten sakralen Kunstwerke Norddeutschlands.

Aus der Zeit um 1500 stammt auch das spätgotische Kruzifix. Von den drei Kronleuchtern wurde der bedeutendste, gefertigt Mitte des 15. Jahrhunderts, aus der Stralsunder Neuen Ratsstube 1708 in diese Kirche versetzt. Bestaunen können Sie zudem die Bemalung der Decke mit ihren Akanthusornamenten (ausladende Ranken, Blätter).

Das Langhaus im Fachwerkstil wurde erst im 16. bzw. 17. Jahrhundert errichtet und im frühen 18. Jahrhundert entstand der Choranbau. Malereien aus der Zeit um 1470 wurden an den Wänden und am Triumphbogen in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts wieder freigelegt.

Die Renaissance-Kanzel, gefertigt aus Eichen- und Lindenholz aus dem Jahre 1572, gehörte höchst wahrscheinlich einer anderen Kirche und wurde in Waase verbaut. Eine Besonderheit stellt auch der aus dem 15. Jahrhundert stammende Sakramentschrein an der Ostwand neben dem Antwerpener Schnitzaltar und der separate freistehende Glockenturm aus dem Jahr 1927 neben der St. Marienkirche Waase.

Zusammen mit den angrenzenden Gebäuden, zu denen das Küstereigebäude, das Pfarrhaus und die rohrgedeckte Scheune zählen, steht das Gotteshaus unter Denkmalschutz.