Hünengräber – Stumme Zeugen

Bodendenkmale fast aller historischer Epochen sind außerordentlich zahlreich auf der Insel Rügen vorhanden. Hünengräber, Opfersteine, Hügelgräber, Sühnesteine, monumentale Wallanlagen, Bild- und Näpfchensteine sind historische Zeugen menschlichen Lebens, Denkens und Handelns von mehr als 5000 Jahren. Viele von ihnen befinden sich in der offenen Landschaft, inmitten eines Feldes, oft von Bäumen und Sträuchern geschützt, andere in Wäldern oder versteckt an schlecht erreichbaren und einsehbaren Plätzen. Etwa 650 Objekte sind im Lankreis Rügen registriert – wenig, im Vergleich zu der ursprünglich größeren Zahl von Denkmalen dieser Art.

Etwa zwischen 3500 und 2000 v. Chr. errichteten Ackerbauern und Viehzüchter Hünengräber, die auch als Großsteingräber, Großdolmen oder Megalithgräber bezeichnet. Heute findet man noch ca. 55 Gräber dieser Art. Viele von ihnen wurden zerstört und es besteht keine Gewissheit, welches sich eventuell noch im Originalzustand befindet. Schatzgräber öffneten die Grabanlagen oder sie wurden zerstört, um Steine als Baumaterial zu gewinnen. Die Bezeichnung Hünengrab entstand in früherer Zeit in dem Glauben, dass nur Riesen, also Hünen, in der Lage gewesen seien, die großen tonnenschweren Steine zu den Grabstätten zu transportieren.

Als die Großsteingräber bei Lancken-Granitz werden sieben Großdolmen bezeichnet, die sich etwa einen Kilometer südwestlich des Dorfes Lancken-Granitz Richtung Neu-Reddevitz befinden und ausgeschildert leicht zu entdecken sind. Der Komplex stellt die größte auf Rügen zumindest teilweise erhalten gebliebene Anlagenkonzentration dieser Art dar. Von den im Jahr 1829 an dieser Stelle noch verzeichneten 19 Großsteingräbern sind jedoch 12 nicht mehr vorhanden. Die einzelnen Anlagen sind in unterschiedlichen Bauweisen errichtet. Eine archäologische Untersuchung der erhaltenen Grabanlagen fand in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts durch das Landesamt für Bodendenkmalpflege Schwerin statt. Obwohl die Mitarbeiter damals davon ausgingen, das sämtliche Gräber geplündert waren, konnten noch Grabbeigaben gefunden werden. Diese finden sich heute in etlichen Museen. Die Großsteingräber wurden über längere Zeiträume immer wieder genutzt, so dass sich Funde aus unterschiedlichen Epochen in einem Grab befinden können.