Granitz

Das Waldgebiet und sein Juwel

Das größte zusammenhängende Buchenwaldgebiet auf der Insel Rügen, die „Granitz“ erstreckt sich zwischen den Ostseebädern Sellin und Binz. Bis an das Steilufer, dass die nördliche Grenze der Granitz bildet, reicht der Buchenwald heran. Sie ist ein eches Paradies für alle Wanderfreunde und Mountainbiker, die zwischen verschiedenen Routen wählen können. Entweder auf dem Hochuferwanderweg zwischen Binz und Sellin oder aber durch den Wald der Granitz vorbei an den Hochmooren und dem Schwarzen See.
Ein absolutes Erlebnis (im Winter sogar nahezu märchenhaft) ist eine Bahnfahrt mit der Rügenschen Kleinbahn, dem „Rasenden Roland“.

Hoch über den Baumkronen auf dem Tempelberg 107 m über dem Meeresspiegel, inmitten des 100 ha großen Waldgebietes der Granitz, thront das Jagdschloss. Der Bau mit vier runden Eckentürmen und dem 38 Meter hohen Mittelturm wurde im Auftrag von Fürst Wilhelm Malte zu Putbus in den Jahren 1836 bis 1846 nach den Plänen des Berliner Architekten Johann Gottfried Steinmeyer im Stil der norditalienischen Renaissancekastelle errichtet. Der Mittelturm wurde allerdings erst nachträglich nach Plänen von Karl Friedrich Schinkel errichtet. Das Schloss war zu damaliger Zeit ein beliebtes Reiseziel. Schon Friedrich Wilhelm IV., Otto von Bismarck, Elizabeth von Arnim oder Johann Jacob Grümbke weilten hier.

Das Jagdschloss war bis zum Jahr 1944 im Besitz der Familie zu Putbus und stand nach der Inhaftierung von Malte von Putbus unter Verwaltung der Nationalsozialisten. Endgültig wurde es im Zuge der ostdeutschen Bodenreform enteignet und befindet sich bis heute in staatlicher Hand. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs kamen viele Einrichtungsgegenstände abhanden; einiges Kunstgut wurde in das Berliner Gemäldedepot der Dienststelle für die Verwaltung sowjetischen Vermögens in Deutschland gebracht und 1953 an die Staatlichen Museen Berlin übergeben.

Bestrebungen des Enkels von Malte zu Putbus, Franz zu Putbus, den Familienbesitz zurück zu erlangen, scheiterten vor Gericht. Die Anlage wurde zu Beginn des 21. Jahrhunderts umfassend saniert.

Das Schloss wird heute zum Teil als Museum genutzt. In mit kostbaren Kunstgegenständen eingerichteten Zimmern können Sie Geschichte schnuppern und die bedeutende Waffen- und Geweihsammlung bestaunen. Die an der Innenwand montierte, selbsttragende Wendeltreppe führt hinauf zur Aussichtsplattform. Die Treppe, die nach einem Baukastensystem zusammengesetzt ist, gilt als konstruktive und ästhetische Meisterleistung des Eisenkunstgusses. Sie wurde in Berlin, in der Eisengießerei von Franz Anton Egells gefertigt und 1845 eingebaut. Während im 18. Jahrhundert die Treppe als Ort der Macht und Repräsentation durch die Architekturtheorie und das höfische Zeremoniell bestimmt wird, muss die Treppe des Jagdschlosses Granitz in erster Linie als beeindruckende Demonstration der aufstrebenden preußischen Eisengussindustrie und als Hinweis auf den fortschrittlichen Bauherren gewertet werden. Heute ist dieses Meisterwerk eines der beliebtesten Fotomotive der Granitzbesucher. Wenn Sie die 154 Stufen der gusseisernen, mit Ornamenten durchbrochenen Wendeltreppe des Mittelturms erst einmal gemeistert haben, erwartet Sie von der 145 m über dem Meeresspiegel liegenden Aussichtsplattform auf dem Dach ein traumhafter Panoramablick. Doch schon viele Besucher mussten nach wenigen Schritten die Besteigung aufgeben. Hier sollten nur schwindelfreie hinauf!

Wer sich nicht traut, kann die Atmosphäre des Jagdschlosses aber auch auf der Sonnenterrasse im Schlosshof genießen. Im Kellergewölbe befindet sich eine rustikal eingerichtete Gaststätte, „Die alte Brennerei“.

2008 wurde auf dem Jagdschloss Granitz der erste Teil einer neuen Dauerausstellung eröffnet. Die Ausstellung ist eine Koproduktion der Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten Mecklenburg-Vorpommern und des Pommerschen Landesmuseums. In sechs Räumen werden auf einer Fläche von 200 Quadratmetern Kunstwerke und mediale Präsentationen sowie Architektenentwürfe und -modelle gezeigt.